Letzten Sonntag wurde auf dem Gelände des Zisterzienserklosters Bochum-Stiepel das Mahnmal Stiepeler Mauer eingeweiht. Zentrales Thema der Installation, an deren Realisierung smply.gd maßgeblich beteiligt war, sind dabei nicht nur Mauern im weitesten Sinne – sondern vor allem deren Überwindung.

Aus der Ferne betrachtet handelt es sich bei dem Mahnmal Stiepeler Mauer um ein Stück der Berliner Mauer, flankiert von drei ebenso hohen Glasstelen. Ebenfalls weithin sichtbar ist ein Bibelvers, der in großen Lettern im oberen Teil der Stelen verläuft: „Mit meinem Gott überspringe ich Mauern“ (Psalm 18,30). Doch schon dieser Vers deutet darauf hin, dass die Stiepeler Mauer mehr sein will als ein Mahnmal zur deutschen Teilung bzw. zum Kalten Krieg.

Stiepeler Mauern mahnt zum Überwinden von Mauern
Die Berliner Mauer trennte und sperrte ein. Bis sie überwunden wurde: in einer friedlichen Bewegung, gewaltlos. Weil Menschen sie nicht weiter als zementgewordene Spaltung der Welt anerkennen wollten, sondern unermüdlich für ihren Fall auf die Straße gingen. Und so ist das Stück Berliner Mauer als Bestandteil der Stiepeler Mauer weniger Mauer im Wortsinn, als vielmehr Symbol einer Konfliktlinie – und deren Überwindung.

Stiepeler Mauer

Stiepeler Mauer thematisiert exemplarische Konfliktlinien
Für uns war schnell klar: Die betongewordene Grenze zwischen Ost West ist nur eine Mauer, und dazu eine, die bereits überwunden wurde. Also haben wir uns gefragt: Welche anderen Konfliktlinien existieren, auch heute noch – und wie können wir diese in die Stiepeler Mauer integrieren?

Um es kurz zu machen: Wir thematisieren, neben der Konfliktlinie Ost-West, exemplarisch noch vier weitere Konfliktlinien: 1) ethnisch-soziale Auseinandersetzungen, Konflikte zwischen 2) Arm und Reich, zwischen den 3) Geschlechtern und 4) religiös-ideologische.

Konflikte optisch und inhaltlich aufzeigen
Erfahrbar machen wir diese exemplarischen Konfliktlinien zunächst optisch, indem wir sie im Wortsinn als Linien abbilden. So durchzieht die Stiepeler Mauer ein quecksilbriger Strang aus Konfliktlinien, die ausschlagen, abflachen, sich überkreuzen – und damit die Komplexität, Vielschichtigkeit und Wechselwirkung von Konflikten zum Ausdruck bringen. Inhaltlich zugänglich werden die Konfliktlinien, indem wir ganz konkrete Konfliktfälle auf den Linien positionieren.

Kloster_Stiepel_084

Mauern überwinden – mit Worten der Verständigung
Besucher der Stiepeler Mauer dazu anregen, über Mauern nachzudenken, sich über bestehende Mauern bewusst zu werden – und sie gleichzeitig dazu einladen, „Mauern im Kopf“ einzureißen, das ist das wesentliche Anliegen dieses Mahnmals. Daher verweisen wir auf der Stiepeler Mauer nicht nur auf Konflikte – sondern lassen Menschen zu Wort kommen, die für die Überwindung von Konflikten eingetreten sind oder eintreten. Die Orientierung geben und Mut machen – wie der Bibelvers, den die Stiepeler Mönche ausgesucht haben.

Feierliche Segnung der Stiepeler Mauer
Nach Wochen intensiver Arbeit vieler Akteure steht die Stiepeler Mauer nun endlich. Letzten Sonntag, den 13. September 2015, haben die Stiepeler Mönche sie feierlich präsentiert und gesegnet. Anwesend waren neben 250 Gästen die scheidende Bochumer Oberbürgermeisterin Ottilie Scholz sowie die Stifter des Mahnmals: Das Unternehmerpaar Anneliese und Werner Deschauer floh in den 1950er-Jahren selbst aus der DDR und engagiert sich heute in Bochum und am früheren Grenzposten Point Alpha für das Gedenken an die Schrecken der innerdeutschen Grenze.

Ich bin stolz auf die von allen Akteuren geleistete Arbeit und natürlich auf das Ergebnis und freue mich, dass unsere Arbeit auf durchweg positive Resonanz stößt. An dieser Stelle ein ganz besonderes Lob an meinen Kollegen Guido Meiboom für diese außergewöhnliche gestalterische Leistung sowie das anspruchsvolle Handling, das man wohl erst nachvollziehen kann, wenn man weiß, dass jede der 1,20 Meter breiten und 3,30 Meter hohen Glasstelen aus je fünf einzelnen Glasplatten bestehen, zwischen denen sich wiederum noch fünf einzeln bedruckte Folien befinden, die übereinandergelegt das nun zu bestaunende Gesamtbild ergeben!


 

EDIT:

Weitere Bilder der Einweihung gibt es auch im Blog des Kloster Stiepel.

Kampagne gefällig?

Gerne erarbeiten wir auch für Ihre Zielgruppen Kampagnen zur Imagebildung, Verkaufsförderung oder anderen Zielen. Rufen Sie uns einfach an oder schreiben Sie eine E-Mail – wir melden uns schnellstmöglich zurück!

Kontaktaufnahme

2 + 14 =

Neue Website wirbt für pastorale Berufe im Erzbistum Köln

Eine Website zu schaffen, die pastorale Berufe von einer anderen Seite zeigt – einer modernen, unverstaubten und vor allem unerwarteten. Um insbesondere junge Zielgruppen zeitgemäß anzusprechen, zu Auseinandersetzung und Kontaktaufnahme zu ermutigen: das war das...

Gäste statt Geschenke!

Das wünschte sich das Essener Domkapitel zu einem ganz besonderen Domjubiläum. Essens starke Mitte feiert 2016 “700 Jahre Gotischer Dom”.

Was ist DENKBAR?

Einladung des Bistums Essen zu einer Veranstaltungsreihe, bei der sich alles um pastorale Alternativen dreht